Veranstaltungs-Nachlese

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Die Ethik des Pfeffersacks - Vortragsveranstaltung mit Pastor Dr. Schlicht am 23.11.17

von Wirtschaftsverein Buxtehude

Auch Uwe Fricke, Vereinsvorsitzender, hob in seiner Begrüßung die ungewöhnliche Kulisse hervor, die er als "heilige Hallen" bezeichnete, worauf Dr. Schlicht später in seinem Vortrag zurückkam.tl_files/theme_wfv-buxte/_pinnwand/Schlicht_Kirche_komp.JPG

Besaß der Pfeffersack überhaupt eine Ethik?
Der Pfeffersack ist heute eher ein Schimpfwort für einen reichen und geizigen Kaufmann, der auf seinem Geld sitzt. Dr. Schlicht leitet daraus die Frage ab, ob er überhaupt eine Ehtik hatte.
Der Begriff "Pfeffer" bezeichnete im Mittelalter zunächst als Oberbegriff allgemein alle Gewürze, vor allem diejenigen, die aus Übersee kamen wie z.B. Vanille, Kardamom, Safran oder eben Pfeffer. Ein Pfeffersack war demzufolge lediglich ein Händler, der die fremden Gewürze brachte, die das Essen so wohlschmeckend machten.
"Ethik" wird heute oft fälschlicherweise im Sinne von Moral verwendet (vielleicht auch, weil es im englischen synonym verwendet wird). "Es gibt keine unmoralischen Menschen", so Dr. Schlicht, "Nur Tiere haben keine Moral, sondern Instinkte." Die Moral würde man im Miteinander lernen, die Ethik bezeichnet dagegen die Wissenschaft, die die Moralansätze sucht und vergleicht.
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Die moralischen Grundsätze
Zur Ehrenrettung des Pfeffersacks führte Dr. Schlicht folgendes aus: Es handelte sich ursprünglich um große mächtige Kaufleute, die spätestens ab der Hansezeit moralischen Grundsätzen folgten:
1. Oftmals handelte es sich um Familienunternehmen. Führungspositionen wurden ausschließlich an männliche Familienmitglieder vergeben. (Dr. Schlicht: "Wenn einer was klaut, bleibt es in der Familie...") Selbstverständlich folgte/ einer oder mehrere Söhne dem Vater in der Verantwortung.
2. Zuverlässigkeit. Verträge wurden oft mit Handschlag z.B. in Kirchenhallen geschlossen und eingehalten. ("Du kannst dich auf mein Wort verlassen.")
3. Ehrlichkeit. Die Hanse funktionierte nur, wenn man gutes Salz hatte, das zur Fischkonservierung verwendet wurde. Wurde gestrecktes Salz verwendet, wie es beispielsweise beim Hollandsalz der Fall war, fiel das auf alle Hansemitglieder zurück.
 
Was bedeutet das für die heutige Zeit?
Dr. Schlichts Ausführungen zufolge spielen die Familientraditionen eine untergeordnete Rolle, genauso wichtig wie früher sind jedoch Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit. "Wenn dort ein Schatten nachhängt, dauert es lange, bis man ihn wieder loswird."
 
tl_files/theme_wfv-buxte/_pinnwand/Schlicht_Essen_komp.JPGNach diesen interessanten und launigen Ausführungen forderte der Vorsitzende Uwe Fricke die Anwesenden auf, Fragen zu stellen, z.B. ob der hanseatische Kaufmann gleichbedeutend mit einem Hamburger Kaufmann sei, was Herr Dr. Schlicht verneinte.
Nach der Aufforderung Dr. Schlichts, sich an den historischen Werten des Pfeffersacks ein Beispiel zu nehmen, was die Pünktlichkeit anbelangt, bedankte sich Uwe Fricke nochmals und lud die Anwesenden ein, die Diskussion bei Essen und Getränken fortzusetzen.

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